Zum Tode von Prof. Dr.-Ing. Dr. Techn. h.c. Jens Blauert
(20. Juni 1938 – 16. März 2026)
Ein Nachruf
Im Alter von 87 Jahren verstarb Jens Blauert am 16. März. Jens Blauert war durch und durch Wissenschaftler. „Mit ihm verliert die internationale Audiotechnik- und Akustik-Community eine prägende Persönlichkeit, deren Forschung das Verständnis des räumlichen Hörens maßgeblich begründet hat“. Diese Worte an Jens Blauert sind im Nachruf der DEGA nachzulesen. Darüber sind viele weitere Nachrufe im Internet veröffentlicht, die das Leben von Jens Blauert noch einmal ausführlich beleuchten. Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte Jens Blauert in Berlin. 2014 zog er hierher und wohnte im selben Mehrfamilienhaus, in dem auch seine Tochter wohnt, zusammen auf demselben Flur. Das Haus ist wunderschön in Pankow, im ehemaligen Grenzgebiet, gelegen. Er schaute von seinem Balkon auf viel Grün. In der Ferne fährt die Bahn, auch die S-Bahn, die man sehen und leise hören könnte. Er hat seine wissenschaftlichen Aktivitäten aber weitestgehend in seiner alten Heimat, Bochum, gelassen. Er nahm sich vor, nicht mehr zu dozieren.
Ich studierte in den Jahren 1970–1975 das Fach Tonmeister an der HfM und TU in Berlin. 1973 habilitierte sich Jens Blauert an der TU-Berlin. Es entstand sein erstes wegweisendes Standardwerk „Räumliches Hören“. Natürlich hörten wir Studenten von diesem Werk. Da man zumindest damals als Student nicht unbedingt über viel Geld verfügte, bot sich einer unserer Kommilitonen an, es kopieren zu lassen. So erwarben wir es also zu einem erschwinglichen Preis. Für uns galt es als Bibel. Jens Blauert bin ich damals nicht persönlich begegnet. Dieses musste unbedingt nachgeholt werden. Als Jens Blauert nach Berlin zog, war ich Leiter der Gruppe Berlin des VDT. Als ich davon hörte, wandte ich mich umgehend an unseren damaligen Präsidenten Carlos Albrecht und bat ihn, Jens Blauert als Mitglied in den VDT aufzunehmen, und zwar sofort als Ehrenmitglied. Diesem meinem Anliegen folgte Carlos Albrecht. Es war wohl eine seiner letzten Ehrungen. Übrigens wurde Jens Blauert auf der Tonmeistertagung in Köln 2014 vom VDT eine Ehrenmedaille mit den Worten überreicht: „Es ist unser einhelliger Wunsch, Ihnen für ein Leben im Dienste der Wissenschaft und hier speziell des Tons, für unermüdliche Arbeit gegen sich immer wieder festsetzenden Irrglauben und für die exzellente Ausbildung und Unterrichtung nicht nur von Tonmeistergenerationen diese Medaille überreichen zu können.“ Ich nahm rasch Kontakt zu Jens Blauert auf und wir sind Freunde geworden. Ich bin ihm unglaublich dankbar, dass er Teilnehmer nahezu aller meiner Veranstaltungen war, die ich für die Berliner Tonmeister durchführte. Am Ende der Veranstaltungen fand stets eine Diskussion statt. Jens Blauert war meist der erste, der eine Frage stellte, an die sich stets eine lebhafte Diskussion anschloss. Dabei war immer wieder zu erleben, wie es aus seinem enormen Wissenschaftsschatz nur so sprudelte. Jens Blauert wollte also nicht mehr dozieren. Doch einmal konnte ich ihn doch noch gewinnen, einen Vortrag zu halten. Das Thema war: „Verfügbare Methoden raumbezogener Lautsprecherwiedergabe“. Und ein letztes Mal noch, im Juni 2024, erklärte er sich bereit, eine Podiumsdiskussion zu leiten zum Thema „Künstliche Intelligenz (KI) in der Audioproduktion“. Er mahnte in dieser Veranstaltung, man möge dieses Thema unbedingt ernst nehmen.
Ein Höhepunkt in meiner Beziehung zu Jens Blauert war am 11. Dezember 2024, als ich mich in feierlicher Runde von der Berliner Leitung verabschiedete und Jens Blauert Schlussredner war, der über uns Tonmeister sagte: „Psychoakustik – das machen Tonmeister“. Ja, Jens Blauert pflegte enge Kontakte zu Tonmeistern. Und Jens Blauert war auch Musiker. Er spielte einen Akustikbass in seinen Jazzbands, auch in Berlin, bis zum Schluss. Noch kurze Zeit vor seinem Tod suchte er einen Gitarristen für seine Band. Schnell fand er einen, was er mir umgehend mitteilte. Einmal berichtete er, dass er bei seinen vielen Auslandsaufenthalten stets versuchte, eine Jazzband zu gründen, was ihm offensichtlich immer problemlos glückte.
Mit Jens Blauert hat sich ein großartiger Mensch von uns verabschiedet. Der Verband Deutscher Tonmeister wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Verfasser: Theodor Przybilla. Student der Abteilung Tonmeister an der HfM Berlin von 1970 bis 1975
