Führung durch die MDR-Zentrale in Leipzig

Regionalgruppe Leipzig

Text: Felix Wege Bilder: Felix Wege, MDR/Martin Jehnichen

Block 1

Am 17. Juli besichtigte die Regionalgruppe Leipzig die MDR-Zentrale in Leipzig. In einem ­umfassenden Rundgang wurde durch den Sendekomplex von MDR Aktuell Radio, den ­Schaltraum und Sendeabwicklung Nord-Ost sowie die Fernsehstudios geführt.

Im Süden von Leipzig befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs die Zentrale des MDR. Hier werden Fernsehsendungen wie das Mittagsmagazin oder Brisant, aber auch das Radioprogramm MDR Aktuell produziert. Sie ist mit einer beachtlichen technischen Infrastruktur der ARD ausgestattet, und mit enorm fähigen Kollegen, die unserer Regionalgruppe eine sehr tolle Führung und viele Einblicke ermöglicht haben.

Individuelle Lösungen

Es ist erstaunlich, mit welchem Individualismus innerhalb der ARD Optimierungen erzielt werden. Für den MDR wurde zum Beispiel eine sehr charmante Lösung in Form von mit Messingschienen modifizierten DHD-Pulten, aber auch einem sehr durchdachter Lautheits-Workflow entwickelt. Auf Philipp Wiedemann, einer der Mitentwickler dieses Workflows, ging auch seitens des MDR die Führung zurück.

Anders als bei anderen ARD-Anstalten, die entweder die Sendepultsumme oder nur komplette Beiträge auf die jeweilige Ziellautheit bringen, werden beim Hörfunk von MDR Aktuell die Beiträge bereits in sich korrekt nach Lautheit gemischt und am Sendepult jede Live-Signalquelle auf etwa -23 LUFS-I gebracht. Ermöglicht wird das durch ein einheitliches Voice-Preset der DHD-Pulte, welches mit wenig Processing daherkommt, jedoch durch eine nach Short-Term-Integrationszeit arbeitende Loudness-AGC unterstützt wird.

Block 3

Vor dem Umzug von MDR Aktuell Radio nach Leipzig wurde bei dem Sender fast für jeden Sprecher, jede Sprecherin ein individuelles Voice-Preset verwendet. Zeitgleich mit der Einführung der Lautheits-gerechten Mischung stellte der MDR auch auf mehr Natürlichkeit der Stimmen und auf einen geringeren Einsatz von Kompression um. Diese Vereinfachung ist wohl ein Beispiel für gelungene Kommunikation zwischen Technikern und Nutzern.

Auch beim Distributions-Sound-Processing ist Lautheit ein Thema. Hier setzt der MDR auf lautheitskonforme Sendeprozessoren und unterschiedliches Sound-Processing für verschiedene Verbreitungswege.

Man kann sich diesen Unterschied täglich ab Mitternacht per ARD-Sound-App anhören. Nachts senden verschiedene ARD-Pop-Programme, beispielsweise SWR3, NDR2, HR3 und auch MDR Jump, das gleiche Programm, allerdings mit unterschiedlichem Distributions-Sound-Processing.

Kooperation der Sendeanstalten

Nun hat der Rundfunkverbund auch selbst erkannt, dass ein technischer Individualismus, der sich auf vielen Ebenen durch die ARD zieht, nicht nur Vorteile bringt. Deshalb beschafft die ARD viele technische Erneuerungen auch gemeinsam und arbeitet bei der Einführung neuer Software zusammen, um möglichst ähnliche Systeme aufzubauen. Auf programmatischer Ebene kooperieren verschiedene Sendeanstalten im Hörfunk innerhalb des ARD Infoabends im rollierenden System miteinander, beispielsweise bei der Sendung Mitreden! Deutschland diskutiert. Ebenso gibt es für die meisten ARD-Hörfunk-Programme einheitliche Abend- und Nachtübernahmen.

Auch an anderen Stellen funktioniert die übergreifende und kostensparende Zusammenarbeit bereits jetzt sehr gut. Bald werden nur noch zwei Fernseh-Sendeabwicklungen in Baden-Baden und Leipzig die Ausstrahlung der dritten Fernseh-Programme übernehmen, während früher jede Landesrundfunkanstalt ihre eigene Sendeabwicklung betrieb. Die beiden neuen, zentralen Sendeabwicklungen fahren mit identischer Technik – was überrascht, hatte doch bisher jede Anstalt bis auf den letzten Monitor ihre eigene Lösung.

Verschiebung im Berufsbild

Nicht nur bei der Sendeabwicklung kommt Bewegung in den MDR. Auch bei der Kontribution soll einiges umgestellt werden; Hörfunk und Fernsehen sollen innerhalb der Schalträume näher zusammenrücken. Das wird Auswirkungen bis hin zur Produktion haben, sodass zukünftig Personal benötigt wird, das sich sowohl mit Bild als auch mit Ton auskennt. Dies könnte eine gute Chance für den Ausbildungsgang des Mediengestalters Bild und Ton werden.

Block 6

Für all diese – und noch viele weitere – Einblicke möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Kollegen des MDR bedanken, die die Führung ermöglicht haben. Mein besonderer Dank gilt Philipp Wiedemann, der sie maßgeblich organisiert und mich auch bei diesem Artikel unterstützt hat. Gleichzeitig rufe ich hiermit auf, uns Vorschläge für weitere Exkursionen unserer Regionalgruppe einzubringen. Meldet euch dafür gern bei mir:

Block 7

Felix Wege ist als Lehrkraft mit Schwerpunkt 3D-Audio an der HTWK Leipzig beschäftigt. Als freier Tonmeister arbeitet er im Bereich immersiver Medien, sowie Hörspiel- und Podcastproduktion. Seit September 2026 studiert er Media Production im Master an der Hochschule Mittweida.