Wie schön wär’s, noch einmal zu studieren …

Regionalgruppe München besichtigt den Campus der SAE München

Text und Bilder: Jana Klug

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Am Mittwoch, 29. April 2026, traf sich die VDT-Regionalgruppe München in der SAE in Sendling. Eine Campusführung, die Besichtigung der Studios und anschließendes Beisammensein mit Pizza boten viel Zeit für fachlichen und persönlichen Austausch.

Das SAE Institute wurde vor 50 Jahren in Sydney gegründet, damals noch als School of Audio Engineering. 1986 folgte mit der SAE München nicht nur der erste Campus in Deutschland, sondern auch der erste nicht-englischsprachige Standort der stetig wachsenden Bildungseinrichtung. Im Jahr 2021 ist die SAE München vom Stadtrand in eine neue Immobilie in der Zielstattstraße in Sendling gezogen. Diesen modernen Campus konnte die VDT-Regionalgruppe München Ende April besichtigen. Eingeladen dazu hatte die SAE gemeinsam mit dem VDT-Referat Akustik.

Raumkonzept passend zum Ausbildungskonzept

Der Campus der SAE München hat wenig mit dem Aufbau und Aussehen typischer Hochschulen gemeinsam. Statt großen Seminarräumen gibt es dort Gruppenarbeitsräume, Computerarbeitsplätze, einen Veranstaltungsbereich und das Herzstück: den Studiobereich. Diese Gestaltung liegt im Lernkonzept der SAE begründet: Theoretische Vorlesungen finden campusübergreifend online statt. Bei sogenannten On-Campus-Events kommen Studierende und Lehrende zum Austausch in kleinen Gruppen zusammen. Einen weiteren Teil des Studiums bildet die eigenständige Arbeit an Projekten.

Dafür bietet der 2000 Quadratmeter große Campus einen Studiobereich mit fünf Regieräumen, zwei Aufnahmeräumen, einem Mischkino und einem Maschinenraum. Der Studiobereich ist zentral innerhalb des Campus gelegen und so geplant, dass die beiden Aufnahmeräume echte Sichtverbindungen zu je zwei Regieräumen (Regie 1 und Regie 2) aufweisen. So kann in den Räumen zeitgleich und in beliebiger Kombination gearbeitet werden – bei indirektem Tageslicht. Mit Ausnahme des Kinos und des Maschinenraums haben außerdem alle Räume Sichtverbindungen zum umlaufenden Flur. So ist für alle auf den ersten Blick erkennbar, wenn ein Raum belegt ist; die Studierenden werden dadurch nicht beim Arbeiten gestört.

Herausforderungen bei der Akustik

Nachdem der Campus-Manager Rainer Schwarz und Head-Instructor Audio Friedrich Günther bei einem Rundgang das Konzept der SAE und den Aufbau des Campus erklärt hatten, ging es für die Mitglieder der Regionalgruppe in zwei Gruppen weiter.

Die erste Gruppe fand sich in Regieraum 1 mit Peter Maier zusammen. Er ist Leiter des VDT-Referats Akustik, seit drei Jahrzehnten Dozent an der SAE und Geschäftsführer des Planungsbüros concept-A, das die Studios am Münchner Campus und an mittlerweile sieben weiteren Standorten der SAE geplant und gebaut hat. Im Regieraum 1 eröffnete er den Anwesenden einen Einblick in die Konzeption des Studiokomplexes.

Offensichtlich sind dabei die grundlegenden Voraussetzungen, wie die zur Verfügung stehende Fläche, die Nutzung der umliegenden und der darunter befindlichen Flächen und die technischen Eigenschaften des Gebäudes. Im Detail wurde jedoch auch der Einfluss von sehr speziellen Rahmenbedingungen deutlich, wie z. B. der begrenzten Länge der Netzkabel von altehrwürdigen SSL-Konsolen.

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Rainer Schwarz, SAE München, erklärt das Konzept des modernen Campus 4.0.
Rainer Schwarz, SAE München, erklärt das Konzept des modernen Campus 4.0.

Ein Ziel in der Konzeption des zentralen Studiobereichs lag darin, eine gleichzeitige und unabhängige Nutzung von Regie 1 und Regie 2 mit Studio A und Studio B in beliebiger Kombination zu ermöglichen. Daraus resultierten sehr hohe Anforderungen an die bauakustische Trennung der einzelnen Räume und – vor allem – der eingesetzten Fensterkonstruktionen.

Beim kurzen Rundgang durch die Welt des Studiobaus alles dabei: beginnend mit der akustischen Notwendigkeit von Raum-in-Raum-Konstruktionen, über die von stark schalldämmenden Fenstern und besonders tieffrequent abgestimmten Lagern bis hin zu Überlegungen zur ökologischen Anforderung der Verwendung von Materialien mit hohem Recyclinganteil.

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Auch die Diskussion zum Design der Räume kam dabei nicht zu kurz. Die sehr auffällige grafische Gestaltung von Regie 1, von Petra Gradwohl und Stefan Strahammer vom Design-Studio Gradhammer aus Wien entworfen, ist eine Hommage an Freddie Mercurys Band Queen, die in den 80er-Jahren eine wilde Zeit in München hatte.

Natürlich durfte nach der Diskussion über die Vereinbarkeit von Musikalität und Referenzfähigkeit von Studiomonitorsystemen, der Entwicklung von Studiobauphilosophien in den letzten Jahrzehnten und der speziellen Bedeutung von professionellen Arbeitsbedingungen im Lehrbetrieb eines nicht fehlen: die Anekdote um den in kürzester Zeit zur Legende aufgestiegenen, in der Raumakustik von Regie 1 versteckten Jägermeisterschrank.

3D-Listening

Stefan Heider zeigt das in Dolby Atmos geplante Mischkino.
Stefan Heider zeigt das in Dolby Atmos geplante Mischkino.

Friedrich Günther von der SAE München und Stefan Heider von concept-A nahmen die zweite Gruppe mit ins Kino. Dort ging Stefan Heider auf den Planungsprozess von 3D-­Audioräumen und die Einmessung von Dolby-Atmos-7.1.4-Räumen ein.

Zur Einmessung erklärte Stefan Heider, wie innerhalb von einem Arbeitstag nicht nur zwölf Lautsprecherwege im Yamaha MMP1-Prozessor entzerrt, sondern auch deren Position überprüft und ein komplexes Bassmanagement eingerichtet werden kann. Auf den Standard des Dolby-Commissioning-Verfahrens wurde in der lebhaften Diskussion ebenfalls eingegangen.

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Spannend war auch ein Einblick in die Möglichkeiten moderner Akustiksimulation, welche durch Anwendung wellenbasierter Modelle auch in kleinen Räumen hilfreiche Ergebnisse im tieffrequenten Bereich und somit einen wichtigen Beitrag zur Planung der akustisch kleinen Räume mit vielen Schallquellen und wenigen Freiheitsgraden liefert. Eine Studentin hatte dazu im Rahmen ihrer Abschlussarbeit nach Fertigstellung der Studios eine Softwarelösung innerhalb des Kinos erfolgreich hinsichtlich der Aussagekraft der Simulationsergebnisse getestet.

Der Sweet Spot für das optimale Hörerlebnis liegt in der Mitte des Raums am Platz hinter dem mit einer Yamaha Nuage ausgestatteten Regietisch. Während einer Hörprobe mit Atmos-Visualisierung hatten alle Anwesenden die Gelegenheit, das Klangerlebnis aus diesem Sweet Spot zu belauschen. Auffällig war die geringe Ortsabhängigkeit der Basswiedergabe im nur 26 Quadratmeter großen Regieraum, welche als sehr angenehm empfunden wurde.

Ausklang bei warmer Pizza und kalten Getränken

Im Anschluss tauschten beide Gruppen, um auch in den jeweils anderen Raum einen näheren Einblick zu gewinnen. Die zweite Runde fiel allerdings kürzer aus, denn es wartete bereits die warme Pizza im Event Space des Campus. Bei leckerem Essen und kalten Getränken blieb so noch ausreichend Zeit für ungezwungenen Austausch über unterschiedliche fachliche und private Themen.

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