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Stellungnahme zur Situation des IRT

Anlässlich der Vertragskündigungen von ARD und ZDF gegenüber dem Institut für Rundfunktechnik IRT hat der VDT an den zuständigen Intendanten des BR, Herrn Ulrich Wilhelm, folgende Stellungnahme geschickt:

Stellungnahme des VDT zur Zukunft des IRT

Sehr geehrter Herr Intendant,

mit großer Sorge beobachtet der Verband Deutscher Tonmeister e.V. (VDT) die aktuellen Geschehnisse im Zusammenhang mit der Kündigung der Verträge durch die Gesellschafter des Instituts für Rundfunktechnik. Einem Bericht des NDR vom Februar 2020 zufolge „arbeite man mit Hochdruck an einer Lösung, allerdings seien die Sender nur noch bis zum 31. Dezember 2020 an der Einrichtung beteiligt. Der Weiterbetrieb wäre mindestens in jetziger Form dann nicht mehr möglich.“ Nach unserem Kenntnisstand ist diese Lösung bisher nicht gefunden.

Daher möchte ich Ihnen gerne im Auftrag des VDT-Vorstands unsere Stellungnahme hierzu zukommen lassen.

Das IRT als Gemeinschaftseinrichtung von ARD, ZDF, ORF und SRG/SRF ist das einzige technologische Zentrum, das die Interessen dieser Rund¬funkanstalten in nationalen und internationalen Gremien vertritt, um Frequenznutzung, Zugangsoffenheit, Interoperabilität und öffentliche Akzeptanz sicherzustellen. Gerade in Zeiten des immensen technologischen Wandels im Bereich der Medien kann das IRT die benötigte Wissensbasis effizient und zum Vorteil aller beteiligten Anstalten gewährleisten. Zum Bestand des öffentlichen Rundfunks ist eine gemeinschaftliche Mitgestaltung bei zukünftigen Entwicklungen in den relevanten Bereichen der audiovisuellen Medien dringend erforderlich.

Der VDT sieht das IRT als unentbehrliches Bindeglied im Umfeld der Gerätehersteller und Ausrüster, in Forschung und Entwicklung und bei der Standardisierung. Ein großer Teil der VDT-Mitglieder ist in seiner beruflichen Tätigkeit Anwender der technischen Innovationen und ist daher stark interessiert an einer Mitgestaltung im Sinne von zukunftsweisenden aber gleichzeitig praxisorientierten Standards, Empfehlungen und Werkzeugen.

Die Spezialisten des IRT und ihr fachliches Netzwerk liefern seit langer Zeit auch für die in Hörfunk, Fernsehen und Multimedia aktiven Audioprofis des VDT eine wichtige Grundlage für den notwendigen fachlichen Austausch. Die Belange des Rundfunks genießen seit jeher einen besonderen Stellenwert bei den Schwerpunktthemen des VDT, besonders im Umfeld zukünftiger Medientechnologien und mit Blick auf die Interessen jüngerer Ziel-gruppen. Die seit vielen Jahren etablierten IRT-Beiträge und Diskussionen zu Fach-Themen und Fachtagungen (wie der VDT-Tonmeistertagung oder – ganz aktuell – in Form der „IRT-Expertengespräch“-Webinare) wie auch die Mitarbeit in den internationalen Arbeitsgruppen bewirken nicht nur eine Akzeptanz der technischen Entwicklungen, sondern nehmen auch aktiv Einfluss darauf. Praktisches Beispiel ist der Erfolg des Lautheitsstandards EBU R128, den zuerst der BR im Hörfunk etabliert hatte. Der Leiter dieser EBU-Arbeitsgruppe ist unser ehemaliges Vorstandsmitglied Florian Camerer, Tonmeister beim ORF.

Ebenso erfordern neue Aufgabenfelder wie zukünftige Audio- und Video-Formate, crossmediale vernetzte Produktionstechnik, Cloud-Produktion, Barrierefreiheit und Künstliche Intelligenz in Zeiten von Mediatheken, Hybrid-Radio und -TV sowie der neue 5G-Mobilfunkstandard verstärkt gemeinsame Arbeit und Koordination, idealerweise im fachlichen und finanziellen Zusammenschluss mit europäischen Partnern. Die enge Zusammenarbeit auf europäischer Ebene wäre aus unserer Sicht auch wegweisend, um der Abhängigkeit von den proprietären Entwicklungen der großen internationalen Technologiekonzerne zu begegnen. Das entspricht auch der angekündigten „Digitalen Agenda für Europa“ der EU.

Sehr geehrter Herr Wilhelm, angesichts der neuen digitalen Herausforderungen für den Rundfunk ist der VDT der Auffassung, dass der Fortbestand des IRT als zentrale, koordinierende Einrichtung im Verbund mit internationalen Organisationen wie EBU, ITU, ETSI, AES etc. von großer Bedeutung ist. Die Konzentration von Aktivitäten und Experten mit unterschiedlichem Wissen zahlt sich für die Gesellschafter aus. Sie ist fachlich und strategisch unverzichtbar und für den Gebührenzahler wirtschaftlich vorteilhaft. Daher möchte ich Sie als Intendant der für das IRT zuständigen ARD-Rundfunkanstalt im Namen des VDT gerne bitten, weiterhin alles daran zu setzen, gemeinsam mit den Gesellschaftern eine tragfähige und zukunftssichernde Lösung für das Institut für Rundfunk¬technik zu finden und umzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Marchlewitz
Präsident des VDT


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