Der neue technischen Leiter der TMT
Interview mit David Hilkert
Text: Nick Mavridis Foto: Tim Klump
Text: Nick Mavridis Foto: Tim Klump
Die tmt34 erscheint noch weit weg. Doch nach der Tonmeistertagung ist vor der Tonmeistertagung. Mit David Hilkert, 34, kann das Bildungswerk des VDT eine neue Personalie vermelden: Er ist der neue technische Leiter, nach Sebastian Müller, der diesen Job auf der tmt32 und der tmt33 erfolgreich durchgeführt hat. Wir haben David ein paar kleine Löcher in den Bauch gefragt.
David, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Willst du uns kurz etwas über dich erzählen?
Seit ich 13 bin, habe ich mit der Eventbranche zu tun. Jazzkeller, Stadtfeste, Open-Airs. Irgendwann kam der Sprung von der Theke hinter die Bühne. In Darmstadts autonomem Zentrum bin ich dann hinter dem Pult gelandet. Das war eine gute Schule mit dankbaren Bands. Bevor ich mit Tontechnik mein Geld verdiente, habe ich Soziologie studiert. Event-Management hat bei meinen Jobs immer eine Rolle gespielt, ob jetzt Wissenschaftskongress, Doktorfeier oder Brot und Spiele für Großkunden. Stetig war auch die Leidenschaft fürs Handwerk. Messebau und Zimmerei waren immer eine gute Abwechslung zu Bürojobs und Uni. Das Studium Sound & Music Production in Dieburg und die bestandene Externenprüfung zur Veranstaltungsfachkraft geben mir jetzt auch so etwas wie einen Sachkundenachweis fürs Faderschieben.
Audio in Punk-Schuppen lernen und ein Soziologie-Background, das bringt doch sicher wichtige Skills mit an den Tisch, oder?
Soziologie passiert ab zwei Personen im Raum. Wir sind nicht das einzige Gewerk vor Ort, und Audioproduktion ist nicht nur Kabel und Mikrofon. DIY-Punk-Konzerte wiederum sind ein seriöses Geschäft. Man achtet aufeinander und hinterfragt, ob die Entscheidungen von letztem Jahr heute noch aktuell sind. Vor allem aber wird jeder akzeptiert und darf teilhaben, ungeachtet von Titel und Gehaltsklasse. Und um 19.00 Uhr geht die Tür auf und alles muss funktionieren. Solidarität und gegenseitige Unterstützung werden zur Selbstverständlichkeit, weil uns die gleichen Herausforderungen und Höhepunkte einen. Das unterscheidet sich dann allenfalls im Ticketpreis oder der Kanalanzahl.
Begrenzte Mittel und Hürden begegnen einem überall. Wilde Ideen von Kundenseite, Verfügbarkeiten in der Dispo, kaputtes Equipment, Rahmenverträge: Die Liste ist lang. In jedem Fall braucht es einen gesunden Pragmatismus, da es oft keinen interessiert, wie schön die Lösung ist, solange sie funktioniert.
Ist Pragmatismus ein guter Berater, wenn auf der tmt34 Branchenprofis herumlaufen und allen auf die Finger gucken?
Ja klar! Erstmal ist das nur eine Messe mit Ausstellern, Besucher*innen, Networking und Kugelschreiberklauen. Ein Vortragsraum mit zwei Headsets ist der gleiche Raum, egal ob über Aktien oder Atmos geredet wird. Natürlich steht bei uns die technische Umsetzung etwas mehr im Fokus. Gleichzeitig erfinden wir das Rad nicht neu, wenn es um grundlegende Event-Technik geht. Eine Messebau-Messe wäre dahingehend viel gruseliger zu veranstalten …
Es geht um die Bühne, die wir unserer Branche bieten wollen. Vorträge und Demos sollen mit dem Rahmen präsentiert werden können, den sie brauchen.
Da gebe ich dir gerne Recht. Aber deine Aufgabe als technischer Leiter ist ja nicht nur, dafür zu sorgen, dass man Vortragende hören kann. Was fällt alles in deinen Aufgabenbereich, und wann geht es für dich so richtig los?
tmt34 est omnes divisa in partes tres: Partnerfirmen und Sponsoren finden beziehungsweise halten, technische Fachplanung vornehmen und die Durchführung selbst. Ab Herbst kommen erste Messebesuche und Konferenzen, um mit Partnern ins Gespräch zu kommen. Die wirkliche Fachplanung beginnt im Frühjahr, wenn sich Programm und Anforderungen abzeichnen. Ab diesem Zeitpunkt wird stetig zwischen Ausstellern, Congress Center, VDT und Dienstleistern jongliert. Es werden Pläne und Listen erstellt und Angebote eingeholt, die üblichen Vorgänge eben. Hierbei kann ich mich glücklicherweise auf die hervorragende Arbeit von Sebastian aus den letzten Jahren stützen.
Schließlich kommt dann der schönste Teil mit der tmt34 selbst. Ich freue mich vor allem auf die Zusammenarbeit mit dem studentischen Aufbauteam, bei dem ich selbst zwei Mal mitwirken durfte. Für uns beginnt die tmt34 schon montags mit dem Aufbau; dabei connecten wir Studierende aller einschlägigen Hochschulen und sie können sich ausprobieren, lernen und aktiv werden.
Du scheinst dich richtig zu freuen, oder?
Als unbescholtener Gast ohne Verpflichtungen wäre die tmt34 sicher entspannter zu besuchen, aber eigentlich liegt mir das ja gar nicht. Veranstaltungen machen mir hinter den Kulissen mehr Spaß. Ich freue mich schon auf den Abend vorher! Mal sehen, was da kaputt geht oder ob mir kurz vor knapp noch längst Vergessenes einfällt.